Pin englische oder deutsche bücher lesen

Pin englische oder deutsche bücher lesen

Es gibt Momente, da sitze ich mit einem Buch auf dem Sofa, lehne mich zurück, schlage eine Seite auf – und es fühlt sich an, als würde mein Kopf einen kleinen Kinosaal anknipsen. Die Worte fließen rein, Bilder entstehen, Figuren laufen durch meine Gedanken, Welten wachsen in mir. So fühlt sich Lesen für mich an: wie ein Zuhause, in das ich immer wieder zurückkehren kann.

Und vielleicht ist es genau deshalb ein Thema, über das ich schon so lange sprechen wollte:
Warum lesen so viele Menschen mittlerweile auf Englisch – und warum tue ich es nicht?
Was macht die Wahl der Sprache mit unserem Leseerlebnis, mit unserer Verbindung zu Geschichten, mit den Emotionen, die Bücher in uns auslösen?

Ich habe mich hingesetzt, mein Herz geöffnet und versucht, all die Gedanken aufzuschreiben, die mich seit Monaten begleiten. Und vielleicht erkennst du dich in einigen davon wieder.



Wenn Sprache zu einem sicheren Ort wird

Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich ein englisches Buch im Laden liegen gesehen habe. Das Cover wunderschön, der Hype riesig, alle schwärmten davon. Und ich stand davor und dachte: „Ich will es lesen… aber warum fühlt es sich so anstrengend an, allein daran zu denken?“

Und genau das ist der Punkt, den viele kennen, aber kaum jemand offen ausspricht:
Es ist völlig okay, wenn englische Bücher dich ermüden.
Wenn du das Gefühl hast, nicht richtig eintauchen zu können. Wenn dein Kopf mehr arbeitet als dein Herz.

Wir dürfen uns eingestehen, dass Fremdsprachen – selbst wenn wir sie halbwegs verstehen – Energie ziehen. Sie fordern Konzentration, sie bringen uns dazu, permanent kleine Lücken zu füllen, Sinne zu schärfen, Bedeutungen zu erschließen.

Und Lesen… Lesen sollte genau das Gegenteil sein.
Eine Pause.
Ein Durchatmen.
Ein Versinken.

Deshalb ist Deutsch für viele der sichere Hafen. Die Muttersprache trägt uns wie warme Wellen, sie kennt unsere Erinnerungen, sie fühlt sich nicht nach Arbeit an. Und das darf genauso wertvoll sein wie die Herausforderung einer Fremdsprache.


Wenn Begriffe zu Farben werden

Das Thema hat mich beim Vorbereiten an etwas Wichtiges erinnert:
Deutsch hat unfassbar viele Nuancen.
Worte, die wie kleine Farbtöne sind. Winzige Schattierungen, die ein Gefühl präzise beschreiben können, obwohl es eigentlich nur einen Hauch davon gibt.

Im Englischen gibt es oft nur ein Wort.
Im Deutschen oft fünf.
Oder acht.
Oder zwölf.

Das ist manchmal anstrengend – klar. Für Lernende besonders.

Aber für uns Leserinnen?
Für Menschen, die mit Sprache fühlen, träumen und Welten bauen?
Ein Geschenk.

Denn ein deutscher Satz kann so melodisch sein wie ein Lied.
So zart wie ein Pinselstrich.
So präzise wie ein flüsternder Gedanke, den man kaum greifen kann und der trotzdem da ist.

Und genau deshalb lese ich so gerne auf Deutsch:
Es macht Bücher für mich fühlbarer.

Wenn ich nicht überlegen muss, was ein Satz bedeutet, kann ich mich fallen lassen.
Wenn ich die Redewendung intuitiv verstehe, kann mein Kopfkino laufen.
Wenn ich die Sprache kenne, kann die Geschichte tiefer in mir landen.

Aber gibt es nicht auch gute Gründe Englisch zu lesen?

Natürlich. Und viele.

Die große Auswahl.
Die günstigeren Preise.
Die Cover, die einfach unglaublich schön sein können.
Die Tatsache, dass Reihen im Original weitergehen, während wir im Deutschen warten müssen.
Dass man sein Englisch verbessert.
Dass sich spicy Szenen auf Englisch weniger unangenehm lesen. 😅

Ich habe wirklich Respekt vor allen, die auf Englisch lesen, einfach weil sie es lieben.
Weil sie den Flow spüren.
Weil sie in die Sprache eintauchen, als wäre sie ihr zweites Zuhause.

Und gleichzeitig habe ich gemerkt:
Nur weil etwas im Trend ist, muss es nicht mein Weg sein.


Die Spice Debatte (warum ich beim Lesen manchmal lachen muss)

Okay, ich sage es ganz ehrlich:
Es gibt deutschsprachige Bücher, da habe ich in einer Spicy Szene laut gelacht. Nicht, weil sie lustig sein sollte, sondern weil sie so unfassbar… deutsch detailliert war.

Oft liest es sich nicht wie eine romantische Angelegenheit, sondern nach Biologie Unterricht mit live Demonstration.😅
Und ich denke mir dann:
Warum ist das jetzt so ausführlich und unromantisch beschrieben? Warum sooo viel Information? Warum fühle ich mich gerade, als würde ich neben den Figuren im Zimmer stehen und den Blick abwenden?

Und genau da sehe ich den Punkt:
Auf Englisch wirkt es weniger direkt, weniger roh, weniger wie Biologie Unterricht.
Man hat automatisch eine kleine emotionale Distanz.
Und das ist angenehm, wenn man Spicy Szenen zwar toleriert, aber nicht als Kern eines Buchs braucht.

Aber ganz ehrlich?
Das ist für mich keine Entscheidungssache.
Ich lese wegen den Emotionen, der Charakterentwicklung, der Geschichte in die ich eintauchen will und des Kopfkinos.
Wenn eine Szene zu viel ist, blättere ich weiter.
Egal in welcher Sprache.


Wieso Übersetzungen Welten zerstören können

Es gibt Übersetzungen, die sind wie einzigartige Kunstwerke.
Wo man merkt, dass der Übersetzer einfach jedes Wort gefühlt hat.
Jede Emotion trägt.
Den Ton der Autorin widerspiegelt.

Und dann gibt es die anderen.
Die, bei denen ein Witz verloren geht.
Eine Atmosphäre nicht fühlbar wird.
Eine Figur plötzlich anders klingt.
Der ganze Soul der Geschichte einfach… weg ist.

Ich verstehe absolut, warum viele sagen:
„Ich will das Original lesen, damit der Vibe nicht zerstört wird.“

Aber: Ich persönlich merke es in den meisten Fällen nicht.
Ich kenne das Original ja gar nicht.
Ich lese die deutsche Version — und wenn sie mich berührt, dann berührt sie mich.
Wenn ich mich verliebe, verliebe ich mich.
Wenn mein Herz schneller schlägt, dann schlägt es schneller.

Ich vertraue darauf, dass eine Geschichte mich findet, egal in welcher Sprache sie geschrieben ist.


Zu viel Auswahl bringt Überforderung mit sich

Was mich am meisten überrascht hat, als ich mich bewusst mit beiden Sprachen beschäftigt habe:
Wie groß die Auswahl im Englischen wirklich ist.

Und wie sehr mich das stressen würde.

Ich habe jetzt schon FOMO, wenn ich durch eine deutsche Buchhandlung laufe.
Diese Stapel.
Diese Neuerscheinungen.
Diese Regale, in denen gefühlt jede Woche neue Schätze stehen.

Ich denke dann oft:
„Wie soll ich das jemals alles lesen? Warum habe ich nicht schon vor zehn Jahren damit begonnen?“

Wenn ich zusätzlich noch das komplette englische Angebot hätte…
Ich würde in meinem eigenen Büchermeer untergehen.

Manchmal ist es ein Geschenk, weniger Auswahl zu haben.
Manchmal ist Begrenzung genau das, was uns Freiheit gibt.


Meine Entscheidung – warum sie sich richtig anfühlt

Ich habe lange darüber nachgedacht.
Ich habe ausprobiert, reflektiert, mich gefragt:
Was brauche ich beim Lesen eigentlich wirklich?

Und die Antwort ist überraschend einfach:

Ich will träumen, nicht übersetzen.
Ich will fühlen, nicht analysieren.
Ich will eintauchen, nicht arbeiten.
Ich will Leichtigkeit — nicht Leistung.

Deshalb ist Deutsch für mich der Weg, der sich richtig anfühlt.

Nicht, weil Englisch schlecht ist.
Nicht, weil ich Angst davor habe.
Nicht, weil ich es nicht kann.

Sondern weil Lesen mein Ruheort ist.
Mein Rückzugsmoment.
Meine Art, der Welt kurz zu entfliehen und gleichzeitig zu mir selbst zurückzufinden.

Und dafür möchte ich den Weg wählen, der mir am meisten davon gibt.


Und du? Welche Sprache spricht dein Leserherz?

Vielleicht liest du ausschließlich auf Deutsch.
Vielleicht nur auf Englisch.
Vielleicht beides, je nach Stimmung.
Vielleicht hast du irgendwann gewechselt.
Vielleicht wünschst du dir, die andere Sprache besser zu verstehen.

Was auch immer dein Weg ist:
Er ist richtig, wenn er sich für dich richtig anfühlt.

Sprache ist kein Wettbewerb.
Lesen keine Disziplin.
Bücher kein Test, den wir bestehen müssen.

Wir dürfen wählen, was unser Herz am meisten berührt.

Und ich bin so gespannt:
Welches Team bist du – Deutsch oder Englisch?
Und vor allem: Warum?

Schreib’s mir.
Denn vielleicht nimmt dein Grund jemand anderem gerade einen ganzen Druck von den Schultern.

Bis dahin:
Lies, was dich glücklich macht.
In der Sprache, die dich träumen lässt.
Denn darum geht es am Ende doch – um das Gefühl.


Hier geht’s zum Video auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=0VJxTRIsoG0


Alles liebe, eure Alexandra (Autorin von onceuponabookie.de)

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